Selbständigerwerbende EO

Selbständigerwerbende, die aufgrund einer bundesrechtlich angeordneten Betriebsschliessung oder des Veranstaltungsverbotes einen Erwerbsausfall erleiden, sind durch die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus besonders hart betroffen. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 16. April 2020 beschlossen, den Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz auszuweiten. Eine Entschädigung erhalten neu auch die Selbständigerwerbenden, die nur indirekt von den behördlichen Massnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie betroffen sind, weil sie zwar weiterarbeiten dürfen, aber wegen den Massnahmen weniger oder keine Arbeit mehr haben, wie beispielsweise Taxifahrer.

 

Betriebsschliessungen durch die Behörden

Ansprüche können Selbstständigerwerbende im Sinne des AHVG (Einzelfirmen oder Kollektivfirmen) geltend machen, die von Betriebsschliessungen direkt betroffen sind. Es sind dies Betriebe in den folgenden Kategorien:

  • Einkaufsläden ohne Waren für den täglichen Gebrauch und Märkte
  • Restaurationsbetriebe
  • Barbetriebe sowie Diskotheken, Nachtclubs und Erotikbetriebe
  • Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe: Museen, Bibliotheken, Kinos, Konzerthäuser, Theater, Casinos, Sportzentren, Fitnesszentren, Wellnesszentren, Schwimmbäder, Skigebiete, botanische und zoologische Gärten und Tierparks
  • Betriebe mit personenbezogenen Dienstleistungen mit Körperkontakt wie Coiffeure, Massagen, Tattoo-Studios und Kosmetik

 

Erwerbsausfall aufgrund des Veranstaltungsverbotes

Freischaffende Künstlerinnen und Künstler, Musikerinnen und Musiker sind durch das Veranstaltungsgebot betroffen. Falls Ihnen Veranstaltungen oder Konzerte annulliert wurden oder Sie eigene Anlässe absagen mussten, haben Sie Anspruch auf Entschädigung für den Erwerbsausfall. Der Anspruch infolge Veranstaltungsverbot bleibt gemäss Stand vom 19.06.2020 vorerst weiterhin bestehen, auch wenn kleinere Veranstaltungen wieder erlaubt sind.

 

Indirekt Betroffene

Weitere Betriebe von Selbständigerwerbenden wie Musiklehrerinnen, Tanzlehrer, Fahrlehrerinnen etc., deren Beruf zwar nicht explizit in der Aufzählung aufgeführt ist, aber dennoch von der Schliessungsanordnung betroffen sind, können ebenfalls Selbständigerwerbenden EO beantragen. Dazu wählen sie im Antrag die Rubrik „Andere“ aus und tragen ihre genaue Berufsbezeichnung ein. Dies gilt für:  

  • Selbstständigerwerbende, die nicht in den Geltungsbereich von Artikel 6 Absatz 1 und 2 der COVID-19-Verordnung 2 fallen, ihr Unternehmen also nicht aufgrund der behördlichen Massnahmen schliessen mussten, jedoch durch den weitgehenden Stillstand der Wirtschaft Erwerbseinbussen erleiden (z.B. Taxifahrer/innen, Hotelbetreiber/innen, Fotograf/innen, Physiotherapeut/innen). Voraussetzung ist, dass ihr AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen im Jahr 2019 höher ist als 10'000 Franken, aber 90'000 Franken nicht übersteigt. Der Anspruch für diese Gruppe endet per 16.05.2020.
  • Selbstständigerwerbende, die durch die Absage einer Veranstaltung einen Erwerbsausfall erleiden. Ihnen kann die Entschädigung künftig für die gesamte Dauer der behördlichen Massnahmen ausbezahlt werden und ist nicht mehr auf die spezifischen Veranstaltungstage resp. die Vorbereitungszeit beschränkt. 

Falls Sie Betriebsinhaber oder -inhaberin einer AG oder GmbH sind, gelten Sie im Sinne der AHV als Arbeitnehmer. Sie haben unter Umständen Anspruch auf Kurzzeitarbeitslosen-Entschädigung.

Anmeldeformular für Selbständigerwerbende

 

Höhe der EO-Entschädigung

Die Entschädigung beträgt 80 Prozent des durchschnittlichen Bruttoerwerbseinkommens, das vor Beginn des Anspruchs auf die Entschädigung erzielt wurde, höchstens aber 196 Franken pro Tag. 
Die Entschädigung für Selbstständigerwerbende wird basierend auf der aktuellsten Beitragsverfügung 2019 berechnet.

Anmeldeformular für Selbständigerwerbende

 

Allgemein gilt

  • Für die Ausrichtung der Entschädigung ist die AHV-Ausgleichskasse zuständig, über die Sie ihre AHV-Beiträge abrechnen.
  • Der Anspruch auf Entschädigung beginnt, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, frühestens am 17. März 2020. Er endet sobald die Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus aufgehoben werden. Bei Betrieben, die am 27.04.2020 oder 11.05.2020 wieder öffnen konnten, besteht Anspruch bis zum 16.05.2020.
  • Für Betriebe, die im Rahmen der Lockerungsmassnahmen am 6. Juni 2020 wieder öffnen dürfen, endet der Anspruch infolge Betriebsschliessung per 5. Juni 2020. Davon ausgenommen sind Selbstständigerwerbende, die das Schutzkonzept nicht umsetzen und den Betrieb aus diesem Grund nicht wiederaufnehmen können. Sie haben sich bei der Ausgleichskasse zu melden und die entsprechenden Nachweise zu erbringen.
  • Ein Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz muss bis spätestens 16. September 2020 geltend gemacht werden. Ab diesem Datum können auch keine rückwirkenden Neuberechnungen mehr verlangt werden.

 

Weitere Informationen

Merkblatt 2.13: Informationen für Arbeitgebende und Selbständigerwerbende im Zusammenhang mit dem Coronavirus

Merkblatt 6.03: Corona Erwerbsersatzentschädigung